Thema: Menschen | Datum: 10.09.2018

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Eine etwas andere Freizeitbeschäftigung

Targobanker engagiert sich in Guinea

Die einen lesen, die anderen reisen – Fodé Diogo Camara baut in seiner Freizeit eine soziale Organisation auf. Im westafrikanischen Guinea ruft der Targobanker ein Mülltrennungsprojekt ins Leben und trägt so dazu bei, die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen.

Erschrocken dreht sich Fodé Diogo Camara einmal um die eigene Achse. Auf dem Schulhof der Grundschule École Primaire de Touguiwondy sieht alles aus wie vor über 30 Jahren. In einer der Ecken spielt eine Gruppe von Kindern Fangen, in einer anderen sitzt ein Mädchen mit einem trockenen Stück Brot und Erdnüssen in der Hand. Ganz am Rande des Geschehens schwirren unzählige Fliegen über einem riesigen Haufen von Müll.

Keine Ausreden mehr

Das war im Jahr 2016. Der Targobanker war damals zum ersten Mal gemeinsam mit seiner Frau Hilke und seinen drei Töchtern (7 Jahre und Zwillinge im Alter von 14 Jahren), nach Conakry gereist, um ihnen zu zeigen, wo er aufwuchs. Fodé Diogo Camara erzählt: „Natürlich war mir auch davor schon sehr bewusst, wie groß die Unterschiede zwischen Deutschland und Guinea sind. Ich liebe meine Heimat, aber die Lebensumstände der Menschen dort sind bedrückend. Schon seit meinem Studium hatte ich den Wunsch, dazu beizutragen, die Situation in meiner Heimat zu verbessern. Als ich meine alte Schule dann mit den Augen meiner Kinder sah, wusste ich: Ich kann nicht mehr warten und muss nun etwas tun! Von da an hieß es für mich: Keine Ausreden mehr, einfach machen!“

 

     

Fodé Diogo Camara aus der Abteilung Kostencontrolling Geschäftsbereiche verbrachte die ersten 18 Jahre seines Lebens sowie seine Studienzeit überwiegend in Conakry, der Hauptstadt des westafrikanischen Staates Guinea. Nach Abschluss seines Wirtschaftsingenieur-Studiums in Mönchengladbach und Aachen entschied er sich, in Deutschland zu bleiben.

Heute lebt er mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in Viersen. Vor zwei Jahren gründete der Targobanker nach einem Besuch in seiner alten Heimat die Hilfsorganisation ENFANT ET ENVIRONNEMENT – E³ e.v. (eine Website ist derzeit im Aufbau), die den Kindern vor Ort den bewussten Umgang mit der Umwelt näherbringt.

Umweltbewusstsein lässt sich lernen

Direkt nach seiner Reise begann der Targobanker damit, ein kleines Buch zu schreiben. Darin erklärt er auf kindgerechte Art und Weise die Bedeutung von Mülltrennung; denn die findet in Guinea noch kaum statt. Und das ist sowohl in hygienischer Hinsicht, als auch für die Umwelt ein großes Problem.

Um mit seiner Botschaft die junge Zielgruppe direkt zu erreichen, las er viele Bücher und recherchierte im Internet, wie Kinder am besten lernen. Über das Buch hinaus entwickelte er ein Workshop-Konzept für Schulen, das anhand einer selbstgebauten und auch nutzbaren „Müllstation“ anschaulich erklärt, wie Mülltrennung funktioniert. Die Kinder erleben durch das Experiment, wie Müll in der Hitze nach einem Tag aussieht, wenn man ihn trennt bzw. ihn nicht trennt.

Fodé Diogo Camara baute eine Müllstation für die Schulen

Im Gespräch mit dem voilà-Team erzählt Fodé Diogo Camara, dass seine Arbeit bei der Bank ihn gewissermaßen zu seinem Projekt inspiriert hat: „Dass ich irgendwann in meiner Heimat zu einer Veränderung beitragen wollte, war mir seit langem klar. Das „Wie“ entwickelte sich aber am Arbeitsplatz. Zwölf Jahre lange habe ich in der Abteilung TRS gearbeitet. Meine Aufgaben dort haben mir ein stärkeres Umweltbewusstsein vermittelt und mich für den schonenden Umgang mit Ressourcen sensibilisiert. Umweltbelange spielten bei unserer alltäglichen Arbeit eine wichtige Rolle“, sagt Fodè Diogo Camara lächelnd, „und Menschen zu mehr Umweltbewusstsein anzustiften war unser Job“.

Die ersten Erfolge

Den ersten Workshop führte Fodé Diogo Camara zum ersten Mal im April dieses Jahres in seiner alten Schule durch. Er war für drei Wochen zurück nach Guinea gereist, um sein Projekt in seiner Heimatstadt Conakry ans Laufen zu bringen. Und war dabei äußerst erfolgreich: In einem Gespräch mit dem Schulministerium erreichte er nicht nur die für die Schüler kostenlose Verteilung seines Buches, dessen Inhalte wurden auch sofort in den nationalen Lehrplan integriert.

Für die Zukunft seines Projekts in Guinea hat Fodé Diogo Camara schon viele weitere Ideen. Er will zum Beispiel helfen, die Wasserversorgung in der Schule sicherzustellen und umfassende Unterrichtsmaterialien bereitzustellen. Unterstützung bekommt der Targobanker in Conakry von Freunden und Familie. Sie erbauen Müllstationen nach seinem Konzept und verteilen diese an die Schulen. Die Mehrheit der Kosten trägt er bislang jedoch selbst. Für die Zukunft hofft er jedoch, auch finanzielle Unterstützung zu bekommen. Eine Webseite ist derzeit noch in Aufbau. Wenn Sie jedoch Interesse haben, mehr über den Verein ENFANT ET ENVIRONNEMENT – E³ e.v. zu erfahren, oder ihn zu unterstützen, freut sich Fodé Diogo Camara über eine Kontaktaufnahme unter .

Abgesehen davon hat der Targobanker noch einen weiteren Wunsch für die Zukunft: „Ich hoffe, mit den Erzählungen über mein Projekt Menschen zeigen zu können, wie man seine Freizeit noch sinnvoll nutzen kann.“

 

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