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Zu ihrem zehnten Geburtstag im Februar hat die TARGOBANK 10.000 Euro an das Bergwaldprojekt gespendet – und sich auch für weitere Spenden in den kommenden vier Jahren verpflichtet. Bereits im Frühjahr sollten die ersten 2.000 Bäume in Werdohl im Sauerland gepflanzt werden. Dann kam die Corona-Pandemie. Im Interview mit der voilà sprechen Stephen Wehner und Peter Naumann, Vorstandsmitglieder des Bergwaldprojekts, über die aktuellen Herausforderungen, die Ziele des Vereins und den Beitrag jedes Einzelnen zum Klimaschutz.

Seit unserer ersten Baumspende im Februar ist viel passiert. Herr Wehner, Herr Naumann, wie hat die Corona-Pandemie die Arbeit des Vereins verändert?

Stephen Wehner, Geschäftsführer und Vorstand Bergwald e.V.

Stephen Wehner (SW): Von 125 geplanten Freiwilligenwochen mussten wir in diesem Jahr aufgrund von Corona gut die Hälfte absagen. Organisatorisch hat das unsere 30. Pflanzsaison seit Vereinsgründung natürlich ziemlich durcheinandergebracht, denn die Freiwilligenaktionen sind ein Kern unserer Arbeit. Dabei geht es nicht nur darum, die gespendeten Bäume zu pflanzen, sondern auch die Teilnehmer für den Zustand und die Bedürfnisse unserer Wälder zu sensibilisieren.

Peter Naumann, Projektleiter CSR, Öffentlichkeitsarbeit, Bergwald e.V.

Peter Naumann (PN): Während des ersten Lockdowns von Mitte März bis Anfang Juni konnten unsere Freiwilligenwochen nicht stattfinden und jetzt im November ebenfalls nicht. Dazwischen haben wir versucht, mit großen Einzelpflanztagen die Ausfälle zu kompensieren. So werden wir für 2020 zum Jahresende trotz der Lockdowns ungefähr auf 400.000 gepflanzte Bäume kommen. Auf der Positivseite können wir festhalten, dass unsere Partner auch in dieser Zeit zuverlässig an unserer Seite stehen.

Wie geht es den deutschen Wäldern und konnten „unsere“ Bäume in Werdohl inzwischen gepflanzt werden?

SW: Lange Zeit wurde der Wald in Deutschland nur als Holzlieferant gesehen und die Menschen haben die Wälder unter anderem durch Monokulturen und starke Befahrung massiv verändert. Dazu kommt die menschengemachte Klimakrise, deren Folgen im Wald deutlich sichtbar werden. Über 300.000 Hektar Wald sind in Deutschland in den letzten drei Trockenjahren und wegen des dadurch begünstigten Schädlingsbefalls abgestorben. Der Wald in Werdohl war noch dazu massiv vom Sturm Kyrill im Jahr 2007 betroffen. Es gibt dort also sehr viel zu tun.

PN: Diese Woche beginnt unser Forstpartner mit der Pflanzung Ihrer Bäume in Werdohl. Wir pflanzen dort Spitzahorn und Vogelkirsche, die zu den standortheimischen und klimaresilienten Laubholzarten gehören. Im nächsten Frühjahr stehen dann die nächsten Freiwilligeneinsätze auf dem Plan, vorausgesetzt, die Corona-Situation lässt das zu. Sonst müssen wir unser Vorgehen anpassen – eine Krise testet ja immer auch die eigene Resilienz und kann Treibstoff für Veränderungen sein.

Das Bergwaldprojekt setzt sich für den Schutz, Erhalt und die Pflege des Waldes ein. Ist das im Hinblick auf die Klimakrise nicht ein Tropfen auf den heißen Stein?

SW: Nein, wir sind davon überzeugt, dass unsere Arbeit absolut systemrelevant ist. Denn die Wälder reagieren nicht nur sensibel auf den Klimawandel sondern spielen zugleich eine wichtige Rolle im Klimaschutz. Neben seiner Nutzfunktion reinigt der Wald als natürlicher Filter auch die versickernden Niederschläge und sorgt für reines Quell- und Grundwasser. Und er vermindert den Oberflächenabfluss und die Erosion. Außerdem sind heimische Laubmischwälder wertvolle Lebensräume für viele seltene Tiere und Pflanzen. Erst wenn es uns gelingt, das unnatürlich fragile Ökosystem Wald zu stabilisieren, können wir auch in Zukunft seine vielfältigen Leistungen nutzen, die dann auch der Klimakrise standhalten.

Am Klimaschutz führt einfach kein Weg vorbei. Deshalb ist jeder gesellschaftliche Akteur aufgefordert, sein Verhalten zum Schutz heutiger und zukünftiger Generationen wirkungsvoll zu ändern.

 Peter Naumann, Bergwaldprojekt e.V.

PN: Langsam kommt auch in der Politik an, dass die Klimakrise kein fernes Zukunftsszenario mehr ist. Wir können allerdings nicht länger auf den Gesetzgeber, auf einen gesellschaftlichen Konsens oder auf technische Innovationen warten, um die Verschärfung der ökologischen Krise abzuwenden. Am Klimaschutz führt einfach kein Weg vorbei. Deshalb ist jeder gesellschaftliche Akteur aufgefordert, sein Verhalten zum Schutz heutiger und zukünftiger Generationen wirkungsvoll zu ändern. Dabei ist es viel entscheidender, weniger Klimagase auszustoßen als Emissionen zu kompensieren.

Ihre 2017 gestartete Initiative „Einfach.Jetzt.Machen“ fordert Organisationen und Unternehmen dazu auf, sich selbst zu klimaschonendem Verhalten zu verpflichten. Die drei Kernpunkte dabei sind, auf innerdeutsche Flüge zu verzichten, kein Fleisch aus Massentierhaltung mehr zu essen und auf regenerativen Strom umzusteigen. Warum gerade diese drei?

PN: Weil Mobilität, Ernährung und Energie drei wichtige Faktoren im Hinblick auf den Klimawandel sind. Noch dazu sind diese drei Punkte ziemlich einfach und schnell umsetzbar, und man leistet damit trotzdem einen großen Beitrag zur Vermeidung von CO2-Emissionen. Der deutsche Klimaforscher Prof. Hans Joachim Schellnhuber und auch Greta Thunberg empfehlen für den Einstieg dasselbe.

SW: Ein weiterer wichtiger Faktor ist auch der Verbrauch von Papier, Pappe und Karton. In Deutschland liegt der bei rund 250 Kilogramm pro Jahr pro Kopf und ist damit so hoch wie in keinem anderen G20-Land. Ein großer Teil davon ist Verpackungsmaterial für den Versandhandel, der aufgrund von Corona in diesem Jahr noch einmal deutlich gewachsen ist. Jeder sollte sich fragen: Brauche ich das wirklich? Und wenn ja, kann ich es vielleicht auch im Laden um die Ecke kaufen statt es im Internet zu bestellen. Regionalisierung ist beim Klimaschutz ein wichtiger Aspekt. Jeder Einzelne kann also eine Menge tun, um das Klima und damit auch den Wald zu schützen.

Vielen Dank für das Gespräch und die konkreten Hinweise!

Jeder Beitrag zählt

Neben der Jubiläums-Spende sind in den vergangenen Wochen zwei weitere Spenden über insgesamt 4.500 Euro für das Bergwaldprojekt aus den Reihen der TARGOBANK zusammengekommen.

Die Green & Social-Initiative aus Duisburg hatte alle Targobanker dazu aufgerufen, in einem kleinen Quiz ihr CSR-Wissen zu testen und gleichzeitig mit ihrer Teilnahme einen Baum für ihr Bundesland zu erspielen. 377 Kolleginnen und Kollegen sind dem Aufruf gefolgt – und für jeden Teilnehmer pflanzt die Bank nun in Kooperation mit dem Bergwaldprojekt einen Baum im entsprechenden Bundesland.

Tom Herbertz, Dualer Student in der Abteilung Beschwerde- und Kundenmanagement und Mitglied der Green & Social-Initiative, ist beeindruckt: „Unser Ziel waren 150 Bäume – jetzt sind es zweieinhalb Mal so viele geworden. Ein toller Erfolg, der zeigt, wie groß das Interesse an dem Thema bei den Kolleginnen und Kollegen bereits ist. Und was besonders toll ist: Auch außerhalb der großen Standorte in NRW scheint die Green & Social-Initiative anzukommen, denn fast die Hälfte der Teilnehmer kam nicht aus NRW.“

Christian Benz, Vertriebsdirektor Bereich Hamburg und Irmgard Schaffarz, Vertriebsdirektorin Strategische Kooperationen & Partner-Programm, die mit ihrem Projekt „Instabanking“ beim Management Update Anfang Oktober gewonnen hatten, haben sich ebenfalls für das Bergwaldprojekt als Empfänger der Gewinnerspende von 2.500 Euro entschieden. „Wir finden die Arbeit des Vereins sehr wertvoll und wollten gerne eine Organisation unterstützen, die sich hier in Deutschland aktiv gegen den Klimawandel einsetzt“, erläutert Irmgard Schaffarz die Entscheidung. „Gleichzeitig wollten wir einen Schulterschluss zu der zweitplatzierten Idee „TARGO GREEN“ schaffen.“

Schlagworte:
alle Fotos ©Bergwaldprojekt e.V.

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